Zwischen Schuld und Unrechtsjustiz - Zur Praxis sowjetischer Militärtribunale in Deutschland 1945-1956

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Produktdetails  
Verlag Leipziger Universitätsverlag
Auflage 15.06.2026
Seiten 324
Format 17,0 x 24,0 x 1,8 cm
Großformatiges Paperback. Klappenbroschur
Gewicht 548 g
Reihe Zeitfenster - Beiträge der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Zeitgeschichte
ISBN-10 3960237146
ISBN-13 9783960237143
Bestell-Nr 96023714A

Produktbeschreibung  

Auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 einigten sich die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs darauf, die Hauptverantwortlichen des NS-Regimes sowie alle an der Planung und Durchführung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit Beteiligten vor Gericht zu stellen. Gleichzeitig legten die Alliierten fest, dass "alle anderen Personen, die für die Besetzung und ihre Ziele gefährlich sind", zu verhaften und zu internieren waren. Diese Formulierung eröffnete der Sowjetunion erheblichen Spielraum, im dem von ihr besetzten Gebiet weit über ehemalige Nationalsozialisten und andere Stützen des "Dritten Reiches" hinaus, "feindliche Elemente" in Gewahrsam zu nehmen.
Der überwiegende Teil der durch sowjetische Militärtribunale (SMT) in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und in der frühen DDR zwischen 1945 und 1955 verurteilten deutschen Zivilisten stand nicht wegen einer Beteiligung an NS-Verbrechen vor Gericht. Stattdessen wurden sie wegen politischer Delikte belangt: zum Beispiel wegen der Verbreitung antikommunistischer Flugschriften, wegen der Weitergabe von Stimmungsberichten aus der SBZ/DDR an westliche Medien und Organisationen oder wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeit für westliche Geheimdienste. Unter den wegen Spionage Verurteilten befanden sich auch nicht wenige Frauen, die beispielsweise als Zivilangestellte in sowjetischen Dienststellen tätig gewesen waren. Zu den SMT-Verurteilten zählten jedoch auch Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs schwere Schuld auf sich geladen hatten - etwa Angehörige von Polizeieinheiten in den besetzten sowjetischen Gebieten oder Beteiligte an Massenmorden in Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern. Eine eigene, bisher wenig beleuchtete Teilgruppe unter den Verurteilten bildeten sowjetische Staatsbürger, die wegen Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht, wegen militärischer oder krimineller Delikte sowie wegen antisowjetischer Äußerungen vor SMT standen.
Im vorliegenden Band stellen Historiker und Historikerinnen sowie Politikwissenschaftler die Ergebnisse ihrer aktuellen Forschungen zu diesen und weiteren Aspekten der Thematik auf der Grundlage neu erschlossener Quellen vor. Letztere stammen zum Beispiel aus dem Archiv des Bundesnachrichtendienstes, dem Stasi-Unterlagen-Archiv, dem Staatsarchiv der Russischen Föderation sowie aus dem Archiv des Sicherheitsdienstes der Ukraine. So entsteht ein differenzierteres und präziseres Bild der sowjetischen Militärjustiz, das den bisherigen Forschungsstand wesentlich erweitert.

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