Das Jahr 2020 wird als der Beginn der weltweiten Covid-19-Pandemie in die Geschichte eingehen. Wird dies auch für die rassistische Gewalt gelten, die zeitgleich in den USA, der Bundesrepublik Deutschland und vielen weiteren Ländern stattfand?
Im Frühjahr und Sommer 2020 nahmen die Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung zunächst in den USA und bald darauf weltweit eine Dimension an, wie es sie seit den Tagen der afroamerikanischen Bürger*innenrechtsbewegung nicht mehr gegeben hat. In Deutschland forderte der Rechtsterrorismus im Februar 2020 in Hanau neun Todesopfer - alle mit Migrationsgeschichte.
Mit diesem Buch sollen die Zusammenhänge zwischen den Struk-turen der Stadt und denen des Rassismus sowohl charakterisiert als auch analysiert werden. In welcher Weise wirkt sich Rassismus im städtischen Alltag, im Bildungswesen, im öffentlichen Raum, bei der Wohnungssuche oder gegenüber Institutionen wie der Polizei aus? Und in welcher Weise kann dagegen vorgegangen werden? Schließlich ist die Stadt nicht nur der Ort des rassistischen Geschehens, sondern auch der Raum für den antirassistischen Kampf.
Frank Eckardt ist promovierter Politikwissenschaftler und Professor für sozialwissenschaftliche Stadtforschung an der Bauhaus-Universität Weimar. Er veröffentlichte u.a. Er veröffentlichte u.a. das Lehrbuch "Stadtforschung: Gegenstand und Methoden" (Springer Verlag 2014) sowie "Ungeliebte Nachbarn, Anti-Asyl-Proteste in Thüringen" (transcript 2017).
Hamidou Maurice Bouguerra absolviert gegenwärtig seinen Bachelor of Science im Fach Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind kritische Stadtforschung sowie Intersektionalität; gleichzeitig ist er in antirassistischen und kapitalismuskritischen Bewegungen organisiert.
Simin Jawabreh ist in diversen antirassistischen und abolitionistischen Bewegungen organisiert. Sie absolviert zurzeit ihr Studium der Politikwissenschaft und setzt sich wissenschaftlich mit der Produktivmacht der Polizei im städtischen Raum in der Ordnung gesellschaftlicher Unterdrückungsweisen auseinander. Jawabreh arbeitet am Lehrbereich politischer Theorie der Humboldt-Universität zu Berlin als Hilfskraft und referiert als politische Bildungsarbeiterin zu Themen wie Racial Capitalism, Intersektionalität, oder dekolonialen Perspektiven auf Migration- und Grenzregime. Sie ist zusätzlich journalistisch aktiv.
Remzi Uyguner ist Diplom-Politologe, Studium an der Universität Ankara und an der Freien Universität Berlin, Tätigkeit als Sozialplaner und Mieterberater im Rahmen der Behutsamen Stadterneuerung in Berlin Wedding und Mitte (1987-2006), Quartiersmanager in Berlin Schöneberg (2007-2017), Leiter des Arbeitsbereichs Beratung + Begleitung der Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, Vorstandsmitglied des TBB e.V. (Türkischer Bund Berlin Brandenburg), Vorstand Förderverein der Aziz-Nesin-Grundschule in Berlin Kreuzberg (2010-2014), Mitglied im Bezirkselternausschuss Friedrichshain-Kreuzberg und im Landeselternausschuss Berlin (2010-2012).
Mirjam Kruppa hat Jura studiert und 17 Jahre als Rechtsanwältin mit Arbeitsschwerpunkt im Ausländer- und Asylrecht und als Fachanwältin für Verwaltungsrecht gearbeitet. Von Mai 2015 bis April 2021 war sie Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge im Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz. In ihrem Amt vertrat sie die Interessen von Zugewanderten und setzte sich für ein gutes Miteinander aller Menschen in Thüringen ein.
Malte Pannemann studierte Erziehungswissenschaft im Bachelor sowie Bildung, Kultur und Anthropologie im Master an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2015 sammelt er berufliche Erfahrung in der Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus und seit 2017 arbeitet er im Bereich der Distanzierungsarbeit von rechtsextremen Einstellungen mit Jugendlichen. Inzwischen ist er tätig als pädagogischer Mitarbeiter und Koordinator bei Distanz - Distanzierungsarbeit, jugendkulturelle Bildung und Beratung - e.V. in Weimar.
Kien Nghi Ha arbeitet als Politik- und Kulturwissenschaftler in Berlin. Er hat zahlreiche Aufsätze über kulturelle Entgrenzung, Identitätspolitik und koloniale Präsenzen in Deutschland publiziert. Seine Arbeitsschwerpunkte sind postkoloniale Kritik, Migration, Rassismus und Cultural Studies. Monographien: "Ethnizität und Migration" (Westfälisches Dampfboot, 1999), "Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs" (WVB, 2004), "Hype um Hybridität. Kultureller Differenzkonsum und postmoderne Verwertungstechniken im Spätkapitalismus" (transcript, 2005) und "Vietnam Revisited" (WVB, 2005). Beiträge in Sammelbänden: Maisha Eggers et al. (Hg.): "Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland" (Unrast, 2005); Susan Arndt/Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.): "Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk" (Unrast, 2011); Azar Mortazavi, Tunay Önder, Christine Umpfenbach (Hg.): "URTEILE. Ein dokumentarisches Theaterstück über die NSU-Morde. Mit Beiträgen im Kontext zivilgesellschaftlicher Aufarbeitung" (Unrast, 2016); Zwischenraum Kollektiv (Hg.): "Decolonize the City! Zur Kolonialität der Stadt" (Unrast, 2017); Frank Eckardt/Hamidou Maurice Bouguerra (Hg.): "Stadt und Rassismus. Analysen und Perspektiven für eine antirassistische Urbanität" (Unrast, 2021) Kontakt: nghiha[@]web.de
Christoph Lammert studierte Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2015 ist er als Berater bei MOBIT (Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie - Gegen Rechtsextremismus) tätig und beschäftigt sich mit Strukturen und Entwicklungen der extremen Rechten in Thüringen.
Dr. Christiane Droste ist Geschäftsführerin der UP19 Stadtforschung + Beratung GmbH in Berlin. Sie promovierte an der Westminster University London zu Werk und Professionalisierung von Architektinnen in der Berliner Nachkriegsbaugeschichte. Ihre aktuelle Forschung widmet sich interkulturellen Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung, gemeinschaftsorientieren Formen des Wohnens und der Teilhabe benachteiligter junger Menschen im städtischen Raum. Sie ist zugleich Gender-Diversity-Beraterin und koordiniert die Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt.
Benjamin Opratko ist Post-Doc-Researcher am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Er arbeitet zu Rassismus, Populismus und Ablehnungskulturen in Europa, aktuell im Rahmen des Forschungsprojektes »Cultures of Rejection« (www.culturesofrejection.net). Letzte Buchveröffentlichung: Im Namen der Emanzipation. Antimuslimischer Rassismus in Österreich (Bielefeld 2019).
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