Sichtbarkeitskämpfe - Die Rolle von Augenzeugenvideos während der Gelbwesten-Proteste

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Produktdetails  
Verlag Herbert von Halem Verlag
Auflage 06.05.2026
Format 14,2 x 3,3 x 21,5 cm
Gewicht 704 g
ISBN-13 9783869626673
Bestell-Nr 86962667A

Produktbeschreibung  

Mit der digitalen Medienrevolution ist mediale Sichtbarkeit zu einem zentralen Mittel der Konfliktaustragung geworden - und dadurch selbst so umkämpft wie nie. Ganz entscheidend hierbei: Augenzeugenvideos, mit denen Amateure auf Social Media Gegensichtbarkeit zu den Bildern der professionellen Berichterstattung erzeugen.


Am Beispiel der französischen Gelbwesten-Proteste fragt dieses Buch deshalb nach den heutigen Bedingungen und Praktiken medialer Augenzeugenschaft. Zu diesem Zweck rekonstruiert es das vehemente Ringen um die Darstellung einzelner Protestereignisse: Welche Strategien und Ressourcen setzten staatliche Akteure, Aktivisten und professionelle Journalisten ein? Hatten sie damit Erfolg? Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse entsteht ein neues Modell für die Analyse jener "Sichtbarkeitskämpfe", aus denen die mediale Sichtbarkeit heutiger politischer Konflikte hervorgeht.


Inhalt:

1. Einleitung

Teil I: Grundlagen

2. Die Gelbwesten-Konturen einer Protestbewegung
2.1 Entstehung und Zusammensetzung
2.2 Forderungen
2.3 Protestformen: Netzförmigkeit und Repräsentationsverweigerung
2.4 Reaktionen der Politik: Repression und 'Große Nationale Debatte'

3. Forschungsstand
3.1 Sichtbarkeit und ihre Ambivalenzen
3.1.1 Zum Verhältnis von Medium, Medialisierung und Sichtbarkeit
3.1.2 Zum Verhältnis von Sichtbarkeit und Macht
3.2 Zum Verhältnis von Sichtbarkeit und Protest
3.2.1 Protest als 'essenziell visuelles Phänomen'
3.2.2 Journalistische Sichtbarmachungen von Protest
3.3 Augenzeugenschaft als Schlüsselprinzip medialer Sichtbarkeitskonstruktion
3.3.1 Augenzeugenschaft und die Frage der Glaubwürdigkeit
3.3.2 Die Kamera als Apparat der Evidenz
3.3.3 Augenzeugenschaft als umkämpftes Feld der Sichtbarkeitserzeugung
3.4 Bedingungen der Augenzeugenschaft im digitalen Zeitalter
3.5 Begründung des eigenen Ansatzes

4. Theoretischer Ansatz
4.1 Grundbegriffe der Bourdieu'schen Feldtheorie
4.2 Ereigniskonstruktion im Feld der medialen Augenzeugenschaft
4.3 Revolutionen und Übergriffe: Dynamiken des Wandels in Feldern
4.3.1 Das Eindringen der Häretiker
4.3.2 Medialisierung und Hybridisierung von Feldern
4.3.3 Übergriffiges Handeln aus benachbarten Feldern
4.4 Mediale Sichtbarkeit als Frage des Framings

5. Methodisches Vorgehen
5.1 Forschungsfragen
5.2 Method(olog)ische Herausforderungen einer Bourdieu'schen Feldanalyse
5.3 Grounded Theory als reflexiver Verfahrensrahmen
5.4 Theoretical Sampling als Strategie der Fallauswahl
5.5 Materialrecherche und -erhebung
5.6 Fallanalyse und -vergleich: Codieren mit der Grounded Theory
5.7 Die Rolle theoretischen Vorwissens
5.8 Grounded Theory und die Gütekriterien qualitativer Forschung
5.9 Zur Präsentation der Ergebnisse

Teil II: Analyse

6. ZEIGEN: Die aktive Herstellung von Sichtbarkeit
6.1 Kampf um die Darstellung der Bewegung
6.1.1 Randale und vermummte Extremisten: journalistische Darstellungen des 1. Dezembers 2018
6.1.2 Lokale Journalisten und Korrespondenten im Ringen um alternative Darstellungen
6.1.3 Heldenbilder: Amateurbilder als Mittel der positiven Selbstdarstellung
6.1.4 Opferbilder: Amateurbilder als Mittel der Mobilisierung
6.1.5 Amateurvideos und die Ästhetik des Authentischen
6.1.6 Zwischenbilanz
6.2 Kampf um die Darstellung der Polizei
6.2.1 Christophe Dettinger: Skandal um einen gelben Boxchampion
6.2.2 Gegenskandal: Der boxende Polizist
6.2.3 Sousveillance: Sichtbarmachung der Polizei von unten
6.2.4 Abschließende Bilanz
6.3 Exkurs: Plattformen als intervenierender Faktor

7. VERSCHLEIERN: Das Ringen um Unsichtbarkeit
7.1 Staatliche Bilderkontrolle
7.1.1 Zineb Redouane: ein übersehener Tod?
7.1.2 Das visuelle Vakuum: die Abwesenheit der Bilder
7.1.3 Zwischenbilanz
7.2 Polizeiliche Versuche des Sichtbarkeitsmanagements
7.2.1 Die Festnahme des Journalisten Gaspard Glanz
7.2.2 Polizeiliche Anti-Sousveillance
7.2.3 Abschließende Bilanz

8. DEUTEN: Sichtbarkeitskämpfe als Deutungskämpfe
8.1 Amateurvideos als Objekt des Deutungskampfs
8.1.1 'Durchdrehende Kinder' und 'wilde Randalierer': die Schulerproteste in den klassischen Medien
8.1.2 Die knienden Schüler von Mantes-la-Jolie
8.1.3 Das medienmächtige Publikum im Deutungskampf
8.1.4 Gefahren der Kontextverletzung: der Amateur als Enthüller
8.1.5 Zwischenbilanz
8.2 Amateurvideos als Ressource journalistischer Beweisführung
8.2.1 Eine Verletzung aus multiplen Perspektiven
8.2.2 allo @Place_Beauvau: das offene Archiv des David Dufresne
8.2.3 Journalistische Bildforensik und Open-Source-Formate
8.2.4 Abschließende Bilanz

9. FÄLSCHEN: Diffamierende Fakes
9.1 Gefälschte Amateurvideos als Skandalisierungsinstrumente
9.1.1 Skandal um den Tod von Coralie
9.1.2 Die Verlockung der Fälschung
9.1.3 Zwischenbilanz
9.2 Regierungs-Fake-News als Skandalisierungsinstrumente
9.2.1 Angriff auf das Krankenhaus der Pitié-Salpêtrière
9.2.2 Dramatisierung als Strategie
9.2.3 Abschließende Bilanz

10. REGULIEREN UND NORMIEREN: Kämpfe um Regeln, Normen und Routinen der Augenzeugenschaft
10.1 Aktivistische Normierungsversuche
10.1.1 Medienkritik und -feindlichkeit bei den Gelbwesten
10.1.2 Media Culpa: Reaktionen aus dem Journalismus
10.1.3 Zwischenbilanz
10.2 Staatliche Regulierungsversuche
10.2.1 Die Loi Sécurité Globale: Sicherheits- oder Sichtbarkeitsgesetz?
10.2.2 Regulierungsabwehr durch Skandalisierung
10.2.3 Abschließende Bilanz

11. Resümee: Das neue Feld der medialen Augenzeugenschaft
12. Ausblick
13. Quellenverzeichnis
14. Abbildungsverzeichnis
15. Anhang

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