Last Exit Babyklappe

Last Exit Babyklappe

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Ein Lesespaß für die halbe Familie

Kartoniert/Broschiert
Satyr Verlag, 2013, 192 Seiten, Format: 12,6x19,5x2,0 cm, ISBN-10: 3944035089, ISBN-13: 9783944035086, Bestell-Nr: 94403508M


Produktbeschreibung

Kinder! Die größten Weltwunder, die bunten Streusel auf dem Eisbecher der Liebe, der Schnaps im Cocktail des positiven Lebensgefühls! Oder bei näherer Betrachtung doch bloß nervtötende kleine Terroristen, die Schlaf und Freizeit rauben und auf das neue Sofa pinkeln? Wie sieht es wirklich aus hinter den Wohnungstüren der Latte-Macchiato-Mütter und
Weichspülerduft-Papas? 34 junge Autorinnen und Autoren blicken in Deutschlands Kinderstuben mit reichlich schwarzem Humor und noch viel mehr Selbstironie.
Geschichten und Gedichte von Christian Bartel, Michael Bittner, Daniela Böhle, Hazel Brugger, Kirsten Fuchs Jakob Hein, André Herrmann, Björn Högsdal, Jess Jochimsen, Marc-Uwe Kling, Achim Leufker, Mieze Medusa, Jacinta Nandi, Anselm Neft, Jochen Reinecke, Matthias Reuter, Christian Ritter, Patrick Salmen, Sabrina Schauer, Dagmar Schönleber, Xóchil A. Schütz, Jörg Schwedler, Sebastian 23, Andy Strauß, Lea Streisand, Volker Surmann, Udo Tiffert, Johanna Wack, Ralph Weibel, Michael-André Werner, Heiko Werning, Torsten Wolff und Liefka Würdemann.

Leseprobe:

Mein Sohn ist hässlich. Nie vergessen werde ich den Moment, als ich ihn das erste Mal sah. Der Moment, der von allen Müttern als der überwältigendste in ihrem Leben beschrieben wird, dieser Moment war für mich der größte Schock meines Lebens: Ich weinte und schrie. Auch der hässliche Sohn weinte und schrie, sein Schreien glich abwechselnd dem Brüllen eines Ochsen und dem Hupen einer Fahrradhupe: "Mööh!", schrie er und: "Mööp!" Die Schwestern kicherten mitleidlos und machten heimlich Fotos. Immer wieder schlichen fremde Menschen in mein Zimmer, um einen Blick auf meinen Sohn zu erhaschen, "Oh", sagten sie dann, mit weit aufgerissenen Augen und fahler Gesichtshaut, oder: "Äh". (aus Johanna Wack: Das hässliche Kind)
7.25 Uhr: Neues Kind schreit. Na ja, eh langsam Zeit, aufzustehen.
7.40 Uhr: Freundin will duschen, sagt, ich soll übernehmen und mit Altem Kind spielen. Gehe zu Altem Kind. Frage: "Na, was sollen wir spielen?" Altes Kind sagt: "Geh weg! Lass mich in Ruhe!" Zum Glück schreit Neues Kind. Das ist das Gute an zwei Kindern: Wenn das eine nicht taugt, hat man immer noch eins in Reserve.
7.45 Uhr: Während ich Neues Kind schaukle, kommt Altes und beklagt sich, dass ich nicht mit ihm spiele. Sage ihm, es hätte mich weggeschickt, sehr unhöflich sogar, und habe gesagt, dass es nicht mit mir spielen wolle. Doch, sagt Altes Kind, ich solle das Neue mal schön in sein Körbchen legen und stattdessen mit ihm spielen. Eisenbahn nämlich. Neues Kind gibt halbwegs Ruhe, also gut. Lege es ab, gehe mit Altem Kind in sein Zimmer, setze mich auf den Boden und spiele mit: Eisenbahn. Erwische offenbar den falschen Zug. "Den nicht!", kreischt Altes Kind. Nehme einen anderen. "Den nicht!", kreischt Altes Kind. Neues Kind fängt erneut an zu schreien. Gehe erleichtert wieder rüber. (aus Heiko Werning: Tagebuch eines jungen Vaters)
"Könnten Sie mal kurz halten? Danke!" Ohne abzuwarten, drückt mir die Frau, die in der Schlange vor mir steht, ihr Baby in die Hände, und weil mein Reflex durch Bierflaschenauffangen trainiert ist, greife ich zu. Das Baby am Ende meiner Arme starrt mich an und fängt nach einer kurzen Schrecksekunde an zu schreien. Ich auch. Das Kind sinkt nahezu sofort in ein
Maibowlenkoma und schmiegt sich an mein Gesicht wie ein nasser Lappen. Jetzt weiß ich endlich, was das bedeutet: "Einmal gesoffen und schon haste n Kind an der Backe."
(aus Dagmar Schönleber: Warum man nicht vor dem ersten Kaffee aus dem Haus gehen sollte. Oder: Yeiyeiyei!)

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