Der kölsche Jeck! - Zur Karnevals- und Lachkultur in Köln. Kommentierte Ausgabe
| Verlag | Dabbelju |
| Auflage | Oktober 2009 |
| Seiten | 383 |
| Format | 18,5 x 12,7 x 4,1 cm |
| Gewicht | 362 g |
| ISBN-10 | 3939666114 |
| ISBN-13 | 9783939666110 |
| Bestell-Nr | 93966611A |
Den kölschen Jeck glaubt jeder zu kennen, vor allem der Kölner, denn er ist ja selber jeck. Aber wie ist er das geworden ?
Das ist eine lange Geschichte, die seit dem Mittelalter eng mit den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen Kölns verbunden ist.
Am Anfang stand der Jeck, eine alte »liederliche« Maske, die keine Autoritäten kannte und über sich selbst wie über ihren Doppelgänger, den »eitlen Jeck«, lachte. Ihn machten die Kölner nicht nur zum Mittelpunkt ihres Karnevals und Feierns, sondern auch zum Maßstab ihres Denkens und Fühlens. 1341 legten sie im städtischen Eidbuch fest, dass der Rat »zu vastabende« den Gesellschaften (Gaffeln, Zünften, Bruderschaften) kein Geld mehr aus der Stadtkasse geben sollte. Es war eine Entmachtung des Rates in Sachen Karneval. Während in fast allen anderen bedeutenden Städten der damaligen Zeit der Karneval zum Machtbereich des Rats gehörte und zunehmend »höfisch« wurde, blieb er in Köln ab jetzt, wie de Noël 400 Jahre später formulierte, »fast einzig« der »Obhut« des Volkes überlassen. Er wurde zum Refugium der Freiheit für die Bürger.
Das vorliegend Buch beleuchtet die wichtigsten Etappen des kölschen Jeck. Seine Verbreitung in der Feierlust des Spätmittelalters - seine Verdichtung zur Überlebensstrategie des Kölner Humors in den Jahrhunderten des Niedergangs (17.-19. Jh.) - seine Entdeckung als kölscher »Nationalcharakter« in der Franzosenzeit durch die »Olympier«, die den Jeck in ihre Pflege nahmen - die Kämpfe zwischen dem alten und dem neuen Karneval und ihre Versöhnung im Volkskarneval des Veedelskarnevals nach der 1848er Revolution.
Der kölsche Jeck gehört zum ältesten Kulturerbe der Stadt und ist als solches bedroht. Die schlimmsten Krisen erlebte er im 20.Jahrhundert: im Kaiserreich, in der NS-Diktatur, in den Wirtschaftswunderjahren. Aber er fand auch immer seine Retter. Von ihnen ist hier ausführlich die Rede, denn sie sind es, die die Vitalität dieser Jeckengeschichte bis heute ausmachen.
Inhalt:
1. Die »Olympische Gesellschaft«. Training im Jecksein. 1804-1813
2. Der organisierte Karneval 1823. Eine Bürgerinitiative der »Bessren«
3. Der »Ölfl eck« Kölner Karneval
4. Alte Kölner Masken
5. Die frühen Harlekine von Paris
6. Kölner Humor: Karnevaleske des Alltags
7. 1341: Karneval ohne Hierarchie
8 Die Jahrhunderte des Niedergangs. Die Kölner werden mehr Kölner.
Ende des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts
9. Die Stadt lacht über sich selbst. Kölner Fastnachtsspiele und das kölnische »National« Lied. 1804-1830
10. Kampf zwischen dem alten und dem neuen Karneval. 1823-1830
11. Der kölsche Jeck wird mobil. Demokratische Vereine, Dombau, Bürgerwehr und das
Experiment des »Volkskarnevals«. 1830-1849
12. »Mer stonn op uns eige Föss«: Der Veedelskarneval. 1850-1900
13. »Nä, wo eß dann der Humor? Dä ging üch jo juss zum Troor.« Ende des 19. Jahrhunderts bis 1933
14. Widerstand und »völkischer Gleichmarsch« im NS-Karneval. 1934-1939
15. »Allen wohl und keinem weh«.Büttenrede 1946 bis heute
16. »Karneval instandbesetzt«. Die Rückkehr des Jeck in der Stunksitzung. 1984 bis heute
17. Köln als Mythos und Parodie. Das kölsche Karnevalslied. Ende des 19. Jahrhunderts bis 1914
18. Veedel, Klaaf und Polkaköppcher: Willi Ostermann erneuert das Milieulied. 1907-1936
19. Zwischen den Kriegen. Das Karnevalslied der Revuen. 1919-1933
20. »Im Dunkeln schunkeln«.Das Karnevalslied als NS-Propaganda und
verschlüsselte Botschaft. 1934-1940
21. »Ming herrlich Kölle, wie sühs do us?« Trauer, Appell und Humor im Karnevalslied
der Nachkriegsjahre. 1946-1949
22. »Friede-Freude« - Karneval. Das Karnevalslied im Wirtschaftswunder. 1946-1949
23. Die Bläck Fööss: Das Kölschlied-Revival. 1970 bis heute