Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und die Befähigung der Lernenden zum politischen Urteilen und Handeln: Seit über 40 Jahren gelten die Prinzipien des Beutelsbacher Konsenses als Leitlinien der politischen Bildung. Obwohl historisches und politisches Lernen sowohl im Geschichts- und Gesellschaftslehreunterricht als auch in den Bildungsangeboten außerschulischer Lernorte mitunter eng verknüpft sind, steht eine geschichtsdidaktische Diskussion der Konsenssätze bisher aus. Der Band diskutiert daher, welche Bedeutung der Beutelsbacher Konsens für das historische Lehren und Lernen besitzt. Er liefert dadurch wichtige Impulse für eine überfällige geschichtsdidaktische Diskussion.
Inhalt:
Christian Winklhöfer: Der Beutelsbacher Konsens aus geschichtsdidaktischer Perspektive. Zur Einleitung
Hans-Georg Wehling: Konsens à la Beutelsbach? Nachlese zu einem Expertengespräch (1977)
ANNÄHERUNGEN
Monika Oberle: Der Beutelsbacher Konsens aus politikdidaktischer Perspektive
Peter Johannes Droste: Werte- und Demokratieerziehung im Geschichtsunterricht.
Anmerkungen zum Überwältigungsverbot aus geschichtsdidaktischer Perspektive
Holger Thünemann: Kontroversität ohne Plausibilität und Konsens? Geschichtsdidaktische Überlegungen zum Kontroversitätsgebot des Beutelsbacher Konsenses
Christoph Kühberger: Handeln durch historisches Denken. Auf dem Weg zu einer geschichtskulturellen Interventionsfähigkeit in der historisch-politischen Bildung
Viola Schrader: Deutungskämpfe austragen! Der Beutelsbacher Konsens und seine Bedeutung für den Geschichtsunterricht - Dokumentation der Tagungsdiskussion
ERWEITERUNGEN
Jörn Rüsen: Über normative Grundlagen und Ansprüche der historischen Urteilsbildung
Christian Heuer: Rückfragen an den "Professionsstandard"
Saskia Handro: Bloß kein Streit!? Praxisrelevante Herausforderungen im Umgang mit Kontroversität und Pluralität im Geschichtsunterricht
Dirk Witt: Die Rolle des Beutelsbacher Konsens im Fach Gesellschaftswissenschaften
Karl-Christian Weber: Konsensobjektivität oder Ungewissheit? Ein Antwortversuch aus moralphilosophischer Perspektive
Anja Bellmann, Katrin Passens: Über die geteilte Stadt sprechen, ohne zu überwältigen - Ein Praxisbericht aus der Gedenkstätte Berliner Mauer
KONTEXTUALISIERUNGEN
Thomas Sandkühler: Getrennte Konsense. Die bundesdeutsche Geschichtsdidaktik und die politische Bildung (nicht nur) in den 1970er und 1980er Jahren
Moritz Peter Haarmann, Dirk Lange: Vergangenheit erinnern, um Gegenwart zu verstehen und Zukunft zu gestalten. Die Klimakrise in der historisch-politischen Bildung
Anja Bellmann studierte Europäische Geschichte (BA) und Public History (MA). Nach der Arbeit für verschiedene Gedenkstätten und Museen und ihrem wissenschaftlichen Volontariat bei der Stiftung Berliner Mauer ist sie dort seit 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Historisch-Politischen Bildung v.a. für die Gedenkstätte BerlinerMauer und die Gedenkstätte Günter Litfin zuständig. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte liegt auf dem (frühen) historischen Lernen in Museen und Gedenkstätten.Dr. Peter Johannes Droste war u.a. Geschäftsführer des Historikertages in Aachen und Museumsleiter. Seit 1999 unterrichtet er die Fächer Geschichte, Philosophie und Deutsch am Gymnasium. Zurzeit ist er Fachleiter für Geschichte im ZfsL-Jülich. Bis September 2023 war er Bundesvorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer e.V.Dr. Moritz Peter Haarmann ist Lehrer an der reformpädagogischen Glocksee Schule Hannover und Didaktiker am Institut für Didaktik der Demokratie der Universität Hannover. Er engagiert sich für eine an den Interessen der Lernenden orientierte, interdisziplinäre Didaktik der gesellschaftlichen Bildung. Sein besonderes Interesse gilt einer macht- und herrschaftskritischen sozioökonomischen Bildung, die sich den Herausforderungen der notwendigen ökosozialen Transformation der Wirtschaft stellt.Prof. Dr. Saskia Handro ist Hochschullehrerin für Didaktik der Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der historischen Lehr- und Lernforschung an der Universität Münster. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Sprache im Geschichtsunterricht, erinnerungskultureller Kontroversen und Konflikte sowie der Geschichtslehrer*innenprofessionalisierung.Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Christian Heuer ist Professor für Didaktik der Geschichte an der JLU Gießen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Theorie und Geschichte der Geschichtsdidaktik; Orte, Formen und Praxen der Geschichtskultur; Pragmatik des Geschichtslernens sowie empirische Professions- und Geschichtsunterrichtsforschung.Dr. habil. Christoph Kühberger ist Universitätsprofessor für Geschichts- und Politikdidaktik und Fachbereichsleiter Geschichte an der Universität Salzburg. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich mit empirischer Geschichts- und Politikdidaktik, historischem und politischem Denken, Geschichtskultur, Subjektorientierung, Dekolonialisierung, Digital Humanities.Prof. Dr. Dirk Lange ist Professor für Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Wien und an der Leibniz Universität Hannover. Er leitet das Demokratiezentrum Wien und das Institut für Didaktik der Demokratie.Dr. Monika Oberle ist Professorin für Politikwissenschaft und Didaktik der Politik an der Georg-August-Universität Göttingen. Mit ihrem Team widmet sie sich besonders der empirischen Erforschung von Lehr-Lern-Prozessen der (schulischen und außerschulischen) politischen Bildung, ihren Bedingungen und Ergebnissen. Thematische Schwerpunkte bilden u.a. Demokratiebildung, politische EU-Bildung und politische Medienbildung.Dr. Katrin Passens ist Politikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für historisch-politische Bildung in der Gedenkstätte Berliner Mauer.Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörn Rüsen ist Professor emeritus an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Duisburg/Essen und Professor emeritus der Universität Witten/Herdecke. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Theorie und Geschichte der Geschichtswissenschaft, Geschichtsbewusstsein und historisches Lernen,Geschichtskultur, Humanismus im Kulturvergleich.Prof. Dr. Thomas Sandkühler lehrt Geschichtsdidaktik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die Disziplingeschichte der Geschichtsdidaktik, die Theorie und Praxis historischen Lernens über den Nationalsozialismus und die Museumsgeschichte.Dr. Viola Schrader ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Didaktik der Geschichte der Universität Münster. In Forschung u
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