| Verlag | Bibliothek der Provinz |
| Auflage | 2026 |
| Format | 13,2 x 1,7 x 19,9 cm |
| Gewicht | 294 g |
| ISBN-10 | 3991264110 |
| ISBN-13 | 9783991264118 |
| Bestell-Nr | 99126411A |
Es gibt wohl keinen besseren Gegenstand für einen Romanschriftsteller als die Liebe einer leidenschaftlichen Frau. Einem Mann ist es nur selten gegeben, sein ganzes Sein und Sinnen in diesem einen, alles besiegenden Gefühl zu versammeln. Alles, was uns an Glück zuteilwird, hat in dem verschwenderischen Wunder, durch das uns das Leben geschenkt und behütet wird, seinen Ursprung. Eine auf solche Weise sich selbst entäußernde Frau aber ist in allen Verhältnissen, die ihr von Männern bereitet werden, verurteilt zu leiden.
Vor einhundert Jahren, in einer Epoche des Zerfalls und des Umbruchs zwischen zwei furchtbaren Kriegen, erregten die tragischen Geschehnisse, die sich in einem weltabgeschiedenen Schloss an der Thaya begeben hatten, in Österreich ein erschrockenes Aufsehen. Während vieler Wochen war in allen Zeitungen wenig Wahres und viel Falsches darüber zu lesen. Der Tod zweier Menschen und das beharrliche Schweigen eines dritten hatten die widersprüchlichsten, teils wohlmeinenden, teils verleumderischen Mutmaßungen zur Folge. Eine Schuld jedoch konnte niemandem nachgewiesen werden. Die hilflosen Untersuchungen wurden bald eingestellt. Kein Richterspruch wurde gefällt.
Überlebende Zeugen aus dem Umfeld des Geschehens haben Jahrzehnte danach ihre Erinnerungen berichtet, ohne alle Fragen beantworten zu können. Manches erscheint darum nach vielen Erklärungen nur noch verwirrter. Offenbar wird, wer die Summe der Tatsachen mit der Wahrheit verwechselt, sich immer betrogen finden, wenn es ihm nicht gelingt, die Bruchstücke seiner Erkenntnisse durch das geheime Wissen seiner eigenen Empfindung zu ergänzen.
