Sieben Minuten nach Mitternacht

Über das Loslassen: “Sieben Minuten nach Mitternacht”

Sieben Minuten nach MitternachtDas Monster erscheint sieben Minuten nach Mitternacht. Ein Geschöpf, das aus einer alten Eibe im Garten hinter dem Haus entstanden ist, doch ist es nicht das Monster, das der 13-jährige Conor fürchtet. Wovor er am meisten Angst hat, ist der quälende Albtraum, der sich jede Nacht wiederholt, seit seine Mutter schwerkrank ist. Ein Albtraum, der ihn in ein tiefes Dunkel reißt, in einen Abgrund, in dem Schreckliches lauert. Das Monster – uralt, wild und weise -  aber ist gekommen, um Conor zu helfen. Es ist das Leben selbst. Drei Geschichten wird das Baum-Monster ihm erzählen, und am Ende soll Conor sich schließlich seiner eigenen Geschichte stellen, der Wahrheit ins Auge blicken – und dies ist das Schwierigste überhaupt…

“Sieben Minuten nach Mitternacht” ist eine tieftraurige und doch zugleich hoffnungsvolle, tröstliche Geschichte. Conor ist eigentlich kein Kind mehr, denn dafür ist kein Platz. Sein Vater verließ die Familie für eine andere Frau, seine Mutter ist so krank, dass er schon früh erwachsen werden und sich um vieles alleine kümmern muss, von vielen seiner Mitschüler wird er entweder gehänselt oder gemieden, weil niemand mit dem Thema Krankheit und Tod konfrontiert werden mag. Das Schwerste für ihn ist aber, den nahenden Verlust seiner Mutter anzunehmen, die er über alles liebt, sie loszulassen. Es ist berührend und aufwühlend, wie das Monster dem Jungen dabei hilft, sich auf ein Leben ohne seine Mutter vorzubereiten, indem es ihn auf tröstende Erkenntnisse, aber auch quälende Wahrheiten stößt, denn gerade diese muss er anerkennen, um letztendlich frei von lähmenden Ängsten und Schuldgefühlen weiterleben zu können. Prägend bleibt der Satz: “Wir müssen die, die wir lieben, manchmal gehen lassen, um sie im Herzen zu behalten.”

Begleitet wird die traurig-schöne Geschichte durch wunderbare Schwarz-Weiß-Illustrationen von Jim Kay, die düster sind, aber  gar nicht beängstigend, sondern ruhig und nachdenklich. Leben und Tod gehören zusammen, sind untrennbar miteinander verbunden, und wenn man dies einmal erkannt hat, muss man gar keine Angst mehr haben. Dies wird durch Text und Bilder eindrucksvoll deutlich gemacht.

Patrick Ness (*1971 im US-Bundesstaat Virginia) schrieb den Jugendroman, der auch für Erwachsene tief berührend und aufrüttelnd ist, nach einer Idee der irischen Schriftstellerin Siobhan Dowd. Sie hatte bereits die ganze Geschichte mit ihren Figuren konzipiert und einen Anfang verfasst, als sie 2007 im Alter von 47 Jahren an Krebs starb. Patrick Ness war ihr nie begegnet, hatte aber den selben Herausgeber. Anhand ihrer Entwürfe schrieb er das Buch zu Ende. 2012 wurde “Sieben Minuten nach Mitternacht” mit der Carnegie Medal und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

 

Und noch mehr zum Buch: In einem neuen Video aus dem Arvelle Lager stellt Christian “Sieben Minuten nach Mitternacht” vor!

Titelbild: von Øyvind Holmstad (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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