Tage der Verwilderung

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Roman. Ausgezeichnet mit dem Betty Trask Award 2009

Gebunden
DVA, 2010, 348 Seiten, Format: 22 cm, ISBN-10: 3421043825, ISBN-13: 9783421043825, Bestell-Nr: 42104382M


Produktbeschreibung

Vom Verlust der Erinnerung: mutig und mitfühlend Ein Haus, ganz aus Glas, inmitten der Moorlandschaft von Lincolnshire, das war Jakes lebenslanger Traum. Doch es kam anders: Einzig für das örtliche Gefängnisgebäude ist der Architekt bekannt und dort sitzt nun sein Sohn Henry ein. Doch Jake weiß nicht mehr, warum Henry verurteilt wurde, noch kann er sich erinnern, was mit seiner Tochter oder seiner Frau passiert ist. Bilder aus der Kindheit und den ersten glücklichen Ehejahren tauchen auf, aber sie werden zunehmend widersprüchlich. Ein Effekt, so faszinierend und verwirrend wie der Blick durch ein Kaleidoskop. Mit großer Sprachmacht zeichnet Samantha Harvey das bewegende Porträt eines Mannes, der darum kämpft, seine Vergangenheit und sein Ich zu bewahren, gekleidet in eindringliche Bilder voller Poesie.

Leseprobe:

Inmitten eines Meeres von vergessenen Ereignissen und Namen gelangen einzelne Episoden mit erstaunlicher Auftriebskraft an die Oberfläche. Sie tun das weder in einer sinnvollen Reihenfolge, noch besteht ein Zusammenhang zwischen ihnen. Er hält den Blick auf die Erde unter sich gerichtet, seltsamerweise, denn früher hätte er sich dem Horizont oder dem Himmel zugewandt, und er hätte deren schiere Weite genossen. Jetzt hält er nach Miniaturen Ausschau und hofft, in ihnen Trost zu finden: in den Gebäuden tausend Meter unter ihm, den Mooren, so schwarz und flach, dass sie nicht perspektivisch erscheinen, dem Gefängnis und seinem Gelände, Männer, die auf einer Laufbahn ihre Ellipsen ziehen, der Schandfleck der Vororte. Der Pilot ruft etwas und zeigt nach rechts. In einiger Entfernung wird ein Wald abgeholzt, und man sieht, wie ein Baum sich neigt und umknickt, dann noch einer, wie Streichhölzer. "Unwirklich von hier oben!", ruft der Pilot. "Ja", antwortet er. "Die Quail Woods. Werden gefällt." Er beugt sich vor und berührt den Piloten an der Schulter, ohne zu wissen, was er mit der Geste sagen will. Dass er geerdet sein will vielleicht - er möchte wieder auf der Erde sein, ihm ist schlecht, und er hat ein wenig Angst. Doch der Pilot scheint seine Hand für einen flatternden Schal oder gar für einen vom Kurs abgekommenen Vogel zu halten, denn er dreht sich nicht um. "Mein Sohn!", ruft er. "Da unten, im Gefängnis!" Der Pilot nickt und reckt den Daumen hoch, vielleicht hat er ihn nicht verstanden. "Ich habe das Gefängnis gebaut, den neuen Teil, in den Sechzigerjahren", ruft er in den Wind. "Ja", erwidert der Pilot. "Schrecklich, das finde ich auch. Verschandelt die Landschaft." Er lehnt sich so weit hinaus, wie er es wagt. Ob er seinen Sohn sehen kann? Ob sie einander sehen können? Mit leisem Neid sieht er dabei zu, wie die Männer mit mechanischer, ameisenhafter Anmut ihre Runden drehen. Der da ist Henry. Nein, doch nicht. Der da vielleicht. Oder der? Unmöglich zu sagen. Von hier aus sind sie alle dünn, außerdem trübt der Wind den Blick. Das Gefängnis gleitet nach hinten, als das Flugzeug ostwärts schwenkt, und ein Stück Küste kommt in Sicht. "Mein Sohn hat den Verstand verloren", ruft er dem Piloten zu. Er möchte diesen Punkt gleich klarstellen; die Welt hat ja mehr Mitleid mit dem Geistesgestörten als mit dem Kriminellen. "Vorübergehend, nach dem Tod seiner Mutter", schränkt er ein. Die Welt hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, auch was Geistesgestörte betrifft. Die Antwort des Piloten peitscht der Wind davon. Das Wort klang ein wenig wie ein "Nein", als sei der Wind, ja die Luft selbst, mit ihm darüber uneins. Um seine flatternden Gedanken ruhig zu stellen, fixiert er den dicken Hals des Piloten, seinen Kragen, und überlegt, wie das Material heißt. Leder ist es nicht, aber etwas Lederähnliches, das man häufig sieht; eigentlich müsste er es wissen. Er wusste es auch einmal. Vorsichtig berührt er es und zieht die Finger schnell zurück, faltet die Hände und führt sie ans Kinn. Er schließt die Augen und spürt einen leichten Aufruhr im Magen; wenn sie nur langsamer fliegen würden, oder landen. Jetzt wirft er seine Gedanken nach Henry aus, aber alles, was kommt, ist der übliche Wust von Einzelheiten. Henry, wie er nach Helens Tod mit einem Tranchiermesser in der Hand über die Wiese hinter dem Kutschenhaus rennt, den Tragflächenlichtern eines Flugzeugs hinterher. "Es gibt einen Gott, du verdammter Mistkerl", ruft er. "Komm zurück!" Manche würden vielleicht sagen, das sei keine glückliche Erinnerung, doch er würde entgegnen, er suche nicht das Glückliche an einer Erinnerung, er suche die Erinnerung selbst; wie sie schmeckt, wie sie sich anfühlt, er suche den Beweis seiner selbst, den sie ihm liefert. Erneut streckt er die Hand aus, um den Piloten auf sich aufmerksam zu machen. "Bald runter?", bringt er mühsam hervor. Wieder der hochgereckte Daumen des Piloten, dann eine

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