Reise mit Yoshimi

Reise mit Yoshimi

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Japanische Reportagen

Gebunden
zu Klampen, 2000, 105 Seiten, Format: 21,5 cm, ISBN-10: 3933156521, ISBN-13: 9783933156525, Bestell-Nr: 93315652M


Produktbeschreibung

Wer sehnt sich nicht danach, dem seit Kindertagen Erlesenen, Erdachten und Erträumten leibhaftig zu begegnen! Mit der Einladung seines Freundes, des Bildhauers Leo Kornbrust, geht für Ludwig Harig ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: eine Reise nach Japan. Auf den Spuren des Dichters Max Dauthendey zu den acht Gesichtern des Biwasees, beim Glockenklang vom Miideratempel oder im Straßengewirr von Tokio lässt sich das Vexierspiel von Phantasie und Wirklichkeit immer wieder aufs Neue auskosten.
Doch was einst in der Vorstellung pittoresk und zum Greifen nahe anmutete, entfernt sich mit jedem weiteren Schritt, den der Autor darauf zugeht. Die Zeichen, die einst aus der kulturellen und geographischen Distanz lesbar erschienen, entziehen sich der Deutung, die Wörter - des Dichters Verbündete -, "Kopfkissenwörter" sind sie alle: "Es steckt hinter jedem Wort ein anderes." Kein heimeliges Gefühl des Dazugehörens stellt sich ein, sondern das der Fremdheit, fern jeder multi-kulturellen I dylle.
Ludwig Harigs poetische und außerordentlich unterhaltsame Japan-Reportagen sind ein Annäherungsversuch an eine Kultur, die den mal emotional-draufgängerisch, mal intellektuell-verhalten Werbenden spröde abweist. Ohne Bitterkeit, aber mit einer gehörigen Portion Selbstironie gesteht der Autor sein Scheitern ein. Erst die Bereitschaft, "im Widerspiel des Unvereinbaren das Gleichartige zu entdecken", macht das Fremde flüchtig vertrauter.

Leseprobe:

"Am späten Abend treffen wir in Hiroko Nittas Hotel den Bildhauer Kei Takemata. Frau Nittas Haus ist ein Zufluchtsort für Fremde, die das Japanische in seiner Ursprünglichkeit suchen. Es ist ein Haus mit Papierfenstern und Papiertüren, die sich durch einen Fingerdruck aufschieben lassen, damit die laue Nachtluft auf der Haut und der Geruch nach Rauch in der Nase zu spüren ist. Ein Haus mit einem Badezimmer, in dem man sich wäscht, bevor man in die Wanne steigt. Man sitzt auf einem Schemel, schöpft mit einem Holzzuber Wasser aus der Wanne und gießt es sich in ergiebigen Mengen über Kopf und Glieder, der gekachelte Fußboden senkt sich zum Abfluß, niemand braucht eine Überschwemmung zu fürchten. Ein Haus mit Fernsehapparat, der nur die Programme des Landes ausstrahlt und sie alle paar Minuten wechselt: Niemand braucht in Schlaf zu fallen. Dem Filmausschnitt folgt die Werbung, der Werbung folgt die Talkshow. Doch mitten zwischen Film und Talkshow steht urplötzlich ein Politiker i n der Bluebox. Ein junger Mann verpaßt ihm einen Schwinger, den der Politiker mit einem Kinnhaken retourniert, der den Burschen auf den Boden streckt. Sofort setzt ein Kulturstreifen über Reisanbau ein, der unvermittelt in einen Kochlehrgang übergeht, in dem ein rothaariger japanischer Koch seine grünen Kontaktlinsen zeigt.
Wir haben uns in Frau Nittas kleinen Wohnraum zurückgezogen, essen Sushi-Häppchen und trinken Sake dazu. Ich sitze Takemata gegenüber -, aber die Art, wie jeder sitze, er mit gekreuzten Beinen auf dem Boden, ich auf einem kurzbeinigen Stuhl, lasse auf verschiedenerlei Menschen schließen, meint er und knüpft an Yoshimis Lehrstunde in der Hotelhalle in Kioto an. Nicht Japaner hier und Deutscher dort, doziert er, sondern hier der entspannte Sinnenmensch und dort der verkrampfte Kopfmensch mit dem eingeklemmten Nerv im Rücken. Das sehe er auf den ersten Blick, ergreift meine Hände, meine Füße, meine Zehen, betastet sie, massiert sie, und ich lasse es willenlos geschehe n. Jeder Muskel stehe mit einer Funktion der inneren Organe in Verbindung, vor allem mit den speziellen Windungen des Gehirns, erläutert er, und bei mir sei alles soweit intakt. Nur im Hinterkopf sei etwas mit dem reflexiven Denken nicht ganz in Ordnung. Das spüre er im großen Zeh meines rechten Fußes, und er berührte denselben mit philosophischer Behutsamkeit. "Ein eingeschlafener Zeh", murmelt er, "was soll man da sagen?" Der Zeh schlafe schon seit einem Bandscheibenvorfall vor zwölf Jahren, erwidere ich und bitte ihn, sich wegen meines tauben Zehs keinen Kummer zu machen.
Vielleicht sei der Kontakt zwischen meinem Zeh und der entsprechenden Gehirnwindung gar nicht so gravierend gestört, wie er vermute, gebe ich zu bedenken, und der Defekt meines reflexiven Denkens rühre vielleicht von woanders her.
"Es ist nicht nur der rechte Zeh, es ist auch das rechte Auge, das mir deinetwegen Sorgen macht", sagt er, "du schaust durch einen Tränenschleier ..."

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