Remco Campert – Der Meister der Miniaturen
Sandra Aglaia am 5. April 2012 um 15:19Das umfangreiche Werk von Remco Campert umfasst neben Gedichten und Kurzgeschichten auch eine beträchtliche Anzahl an Romanen. Angesichts der Tatsache, dass er bereits mit 13 sein erstes Gedicht schrieb überrascht die Größe seines Gesamtwerks dagegen wenig. Jedoch war der Anlass für Camperts erstes Gedicht ein zerstörender: Er schrieb Januari 1943 als er im Januar 1943 vom Tode seines Vaters im KZ Neuengamme erfahren hatte. Sein Vater war seinerseits ebenfalls Schriftsteller gewesen und war zur Zeit der deutschen Besatzung als Fluchthelfer für niederländische Juden tätig.
Im Jahr 1948 verließ Campert das Gymnasium ohne Abschluss und schrieb daraufhin für verschiedene Zeitschriften Gedichte und Kurzgeschichten bevor er 1950 zusammen mit Rudy Kousbroek die Literaturzeitschrift Braak gründete, an der auch der von Campert als Vorbild verehrte Lucebert mitwirkte. Campert wurde Teil der sogenannten Vijftigers, zu Deutsch ‚Fünfziger’, die in Schriftstellerkreisen zur einflussreichsten künstlerischen Avantgarde der holländischen Nachkriegszeit zählen.
Unter der experimentellen Literatur dieser niederländischen Künstlergruppe Vijftigers gelten Remco Camperts Gedichte zu den Werken, die am leichtesten zugänglich sind. Seine Lyrik ebenso wie seine Prosa sind gleichermaßen vom gelungenen Spiel mit der Sprache sowie von seinem ironischen Humor geprägt. Dennoch lässt Campert häufig die Melancholie Einzug in seine Werke halten, in denen die Liebe ein vorherrschendes Thema ist.
Hendrik van Otterlo, der ehemalige berühmte Avantgardemaler, hat mit dem Leben abgeschlossen. In grimmiger Gelassenheit erwartet er sein, wie er glaubt, baldiges Ende. Da erreicht ihn die Todesanzeige seiner einstigen Geliebten. Hendrik fällt rückwärts in die Zeit, Erinnerungen kommen wieder und auch die Lust, noch einmal ein großes Bild zu malen. Nicht ohne Ironie stellt er sich endlich dem Selbstbetrug der Vergangenheit.
Ein kleiner, melancholischer Roman über Liebe und Sehnsucht, Erinnern und Vergessen und die Suche nach der verlorenen Zeit der Jugend. Mühelos verknüpft der Lyriker, Erzähler, Essayist und Kolumnist Remco Campert, der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren in den Niederlanden zählt und mit diesem Roman erstmals auf deutsch erscheint, Vergangenes und Gegenwärtiges miteinander und erweist sich als ein Meister der leisen, ironischen Sätze.
“Ich bin die Briefmarke, die sich irgendwo auf dem Weg zum Ziel vom Umschlag löst”, sagt der Schriftsteller Simon über sich. Wie in einem Traum geht der Schriftsteller, liebend und leidend durch das Leben. Seine Freundin Olga, die Schauspielerin, möchte, dass er sie bei ihrem umstrittenen Theaterprojekt unterstützt. Sein Verleger will umgehend einen Text von ihm zum Thema Krieg. Beim Fotografen soll er mit einem Plüschbären posieren, und auch Lana, die wunderschöne Geliebte seines besten Freundes, hat so ihre Erwartungen. Wie aber kann Simon die Zeit ausschneiden, um den Traum vom Schreiben zu realisieren und gleichzeitig zu leben? Mit ironischer Distanz und leichtfüßigem Humor erzählt uns Remco Campert in wenigen Strichen eine leise, zärtliche Geschichte
Dieser Band an Kurzgeschichten, neu verlegt anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 2009, vereinigt eine Auswahl seiner besten Erzählungen: Der Dichter und Quartalstrinker Onno Mulder versucht seit einem Jahr, ein Gedicht zum Andenken an seinen verstorbenen Freund zu schreiben. In nüchternen Momenten ist Mulder beherrscht von Angst, dass die Welt ihm entgleiten könnte, in berauschtem Zustand hält er sich für einen genialen Poeten, der für die Welt zu schade ist. Rastlos irrt er nachts durch Straßen und Bars, um endlich die richtigen Worte zu finden … Zu der besten Zeit ihrer Ehe – also am Anfang – haben sie und er einen Katastrophenplan geschmiedet. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass sie einmal Streit haben würden, wollten sie füreinander kochen. Jahre später vollbringen beide Höchstleistungen am Herd. Zu satt, um endlich wieder miteinander zu reden, gleiten sie von ihren Stühlen auf den Boden und halten sich an den Händen …In diesem Band an Kurzgeschichten beweist Remco Campert es erneut, er ist der Meister der Miniaturen: Seine Erzählungen eröffnen Welten menschlich-seelischer Abgründe in allen Farben und Schattierungen.












