Der Chronist der Winde
Sandra Aglaia am 20. Januar 2011 um 17:23Zu den berühmtesten Schöpfungen des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell gehört zweifelsohne der vergeistig-introvertierte und dennoch sympathische Roman-Kommissar Kurt Wallander. Der Leser kann sich mit seinen Stärken und Schwächen identifizieren und bleibt bis zur letzten Seite gefesselt von der Spannung der Fälle Wallanders.
Jedoch sind die Kriminalgeschichten um Kurt Wallander nicht die einzigen Werke Mankells, die es sich zu lesen lohnt. Auch andere seiner Werke, wie das Drama Der Chronist der Winde, das aus der Sicht eines Kindes die Gegenwartssituation einer Kolonie am Grenzgebiet von Mosambik beschreibt, löste bei der Leserschaft Begeisterung aus.
In seinem späteren Veröffentlichung Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt. beschreibt Henning Mankell seine Reisen nach Uganda und Gespräche die er dort mit an AIDS erkrankten Menschen.
Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt.
Diese Geschichte ist nicht fiktiv sondern eine autobiographische Reminiszenz aus dem Leben von Henning Mankell, der zwar in Schweden lebt, jedoch seinen zweiten Wohnsitz in Mosambik hat. Auf seiner Reise nach Uganda trifft er Menschen, die sich mit HIV infiziert haben. Viele von ihnen haben für ihre Kinder Erinnerungsbücher in mühevoller Handarbeit erstellt. Denn was können Kinder die schon früh lernen müssen, sich alleine durchzuschlagen, über ihre Eltern erzählen, wenn sie bei ihrem Tod noch zu klein waren, um sich an sie zu erinnern?
Der Chronist der Winde
Nachdem der wundersame afrikanischen Straßenjungen Nelio von Schüssen getroffen wurde und auf das Dach eines ärmlichen Teaters gerettet werden konnte, erzählt er dem Bäckerjungen José Antonio Maria Vaz sein bislang kurzes jedoch sehr aufschlussreiches Leben. Nelio ist erst zehn Jahre alt, hat in dieser vergleichsweise kurzen Zeit jedoch schon mehr erlebt als so manch ein Greis. Vielleicht rührt daher auch die magische Aura, die ihn zu umgeben scheint. Seine Geschichte beginnt mit der Erinnerung an die Banditen, die sein Dorf bis auf die Grundmauern niederbrannten und seine Schwester töteten. Er selbst hat es geschafft den Kriminellen gerade noch zu entkommen. Die Geschichte endet bei den Straßenkindern in der Stadt, denen Nelio zu einem fairen Anführer wurde.


