Klassiker der Moderne – Teil I: Max Frisch
Sandra Aglaia am 26. Januar 2012 um 14:55Mit dem Epochenumbruch zum Beginn des 20. Jahrhunderts beginnt auch in der deutschsprachigen Literatur die Moderne. Man löste sich endgültig von den religiös-mittelalterlichen Auffassungen und rückte stattdessen den Menschen, genauer gesagt das autonome Individuum, das gemäß dem eigenen Verstand prüft und selbständig entscheidet, in den Mittelpunkt der Betrachtung. Diese Autonomie und Selbständigkeit gibt dem Menschen jedoch nicht nur die Freiheit zur eigenen Entscheidungsfindung, sondern stellt ihn auch vor große Schwierigkeiten, schließlich wird dadurch die Auseinandersetzung mit der Welt, die beizeiten durchaus undurchsichtig erscheint, intensiver und unumgänglich und birgt den Menschen häufig in schwere Konflikte mit der Umwelt und seiner selbst. Mit dieser zentralen Thematik beschäftigen sich viele deutsche Literaten des 20. Jahrhunderts, unter ihnen auch Max Frisch, der sich in seinen Werken häufig mit den Selbst- und Fremdbildern des Menschen, seiner Identität und häufig auch mit den Verwirrungen eben dieser beschäftigt.
Stiller
Bei seiner Einreise in die Schweiz wird Mister White festgenommen, weil er für die Polizei mit dem verschwundenen Bildhauer Anatol Ludwig Stiller identisch ist. Frühere Freunde bestätigen den Verdacht. Er aber widersetzt sich dieser Festlegung vehement und seine Aufzeichnungen in der Untersuchungshaft wehren sich gegen diese Behauptung mit der Feststellung: Ich bin nicht Stiller!
Triptychon
Triptychon besteht aus drei Bildern, die nicht Stationen einer dramatischen Handlung sind, sondern drei szenische Aspekte zum Thema geben. Das erste: Unsere gesellschaftliche Verlegenheit beim Ableben eines Menschen. Das zweite: Die Toten unter sich, ihre langsam versiegenden Gespräche am Styx, wo es die Ewigkeit des Gewesenen, aber keine Erwartung gibt. Das dritte: Der Lebende in der unlösbaren Beziehung zum toten Partner, der, was immer der Lebende tue, nicht umzudenken vermag.
Homo Faber
Der Homo Faber von Max Frisch ist eines der bedeutendsten und meistgelesenen Stücke des 20. Jahrhunderts. Es handelt von dem Ingenieur Walter Faber. Faber ist rationalitätsgläubig und überzeugt von der Ordnung und der Vernunft unserer Welt. Er vertritt ein wohl besonnenes Weltbild, doch eine Reihe von Zufällen erschüttert den Wirklichkeitssinn des Ingenieurs. Eine verworrene Liebesgeschichte und seine verdrängte Vergangenheit drohen Fabers Weltbild zum Einsturz zu bringen.
Andorra
Andorra ist ein fiktiver Prozess. Ein Prozess der abgehandelt wird an dem Andri, einem jungen Mann der als Sohn einer Ausländerin geboren wurde und deshalb von seinem Vater als jüdischer Pflegesohn ausgegeben wird. Seine Umwelt begegnet ihm stets mit rassistischen Vorurteilen so dass er, selbst nachdem er seine wahre Herkunft erfahren hat, an der ihm zugewiesenen jüdischen Identität festhält. Doch auch das schützt ihn nicht vor seiner Ermordung durch das fremdenfeindliche Nachbardorf von Andorra.
Biedermann und die Brandstifter
Das Stück ist die Geschichte des Bürgers Gottlieb Biedermann, dessen Name vom Autoren sicherlich nicht ohne Hintergedanken gewählt wurde, der die Brandstifter in sein Haus einlädt, um von ihnen verschont zu werden. Es entlarvt präzise eines Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. Biedermann und die Brandstifter – eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen.




















