Steven Millhauser –Ein Meister phantastischer Literatur
Sandra Aglaia am 3. April 2012 um 13:00Während Steven Millhauser in Deutschland eher in kleineren Kreisen bekannt ist, gehört er in seiner Heimat, den USA, zu den erfolgreichsten und bekanntesten Autoren zeitgenössischer Literatur.
Steven Millhauser wurde in New York City geboren und wuchs in Connecticut auf. Nach der Schule studierte er an der Columbia University und schloss dort mit dem Grad eines Bachelors ab. Später wollte Steven Millhauser an der Brown University in Rhode Island promovieren, brach seine Studien jedoch zugunsten seiner Schriftstellerei, die ihn während seiner gesamten Studienzeit begleitete, ab. Ab Mitte der 1980er Jahre lehrte Steven Millhauser an verschiedenen Universitäten als Dozent, arbeitete jedoch während der gesamten Zeit weiter an seinen literarischen Werken.
Die Romane, Novellen und Kurzgeschichten von Steven Millhauser werden der fantastischen Literatur zugerechnet. Für seinen Debütroman Edwin Mullhouse: The Life and Death of an American Writer erhielt er den 1975 den französischen „Prix Médicis Étranger“, 1990 folgte der World Fantasy Award und 1997 der Pulitzer-Preis für seinen Roman Martin Dressler.
Martin Dressler. Ein amerikanischer Träumer.
New York um 1900. Jeden Tag schießen neue Wolkenkratzer in den Himmel. In dieser Aufbruchstimmung träumt einer vom ganz großen Glück: Martin Dressler, Sohn eines deutschen Auswanderers, hat nur ein Ziel – seinen amerikanischen Traum zu leben. Er arbeitet sich hoch, vom Zigarrenverkäufer zum Liftboy, schließlich zum Hotelmanager. Er steigt ein ins Baugeschäft, eröffnet ein Café, dann ein zweites, eine ganze Kette. Er verkauft und kauft, eröffnet ein Luxushotel, ein zweites und so fort. Er lässt sich verzaubern von zwei Schwestern, die eine hilft ihm bei seinen Unternehmungen, die andere ist geheimnisvoll, sie nimmt er zur Frau. Zuletzt errichtet er das Grand Cosmo, ein Palast so gewaltig und schwindelerregend phantastisch, dass er Martins Glück zu zerstören droht … Martin Dressler ist die glänzend erzählte Geschichte der scheinbar unaufhaltsamen Karriere eines amerikanischen Träumers. Steven Millhauser wurde dafür 1997 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.
Ein Protest gegen die Sonne
Short Stories 1986 – 2008
Beinahe zehn Jahre nach ihrer letzten Begegnung besucht ein Mann seinen alten Freund Albert. Albert habe, so schrieb er in einem Brief an den Freund, in der Zwischenzeit eine Frau und sein Glück gefunden, man genieße die ländliche Ruhe zu zweit. Ein verwilderter Garten umgibt das Haus, üppig saftige Natur und ein glitzernder Teich – ein idyllischer Ort. Der Besucher ist beeindruckt. Beim Mittagessen endlich lernt er Alberts Frau kennen: Alice ist ein Frosch. Eine Gruppe befreundeter Teenager, gelangweilt, rastlos, voller Sehnsucht. Unter Ahornbäumen warten sie auf eine Eingebung. Sie könnte einfacher nicht sein: Lachen wegen allem und jedem. Sie perfektionieren ihr Lachen, kitzeln sich stundenlang, fordern sich heraus auf Lachpartys. Und keiner kann so virtuos orgasmisch lachen wie Clara Schuler. Doch sie geht zu weit. Offiziell heißt es, sie sei an einer Hirnblutung gestorben. Aber alle wissen: Clara lachte sich zu Tode. In Amerika gefeiert und verglichen mit Kafka, Borges, Cortázar, Calvino, Beckett, Nabokov, Poe, Andersen, Rabelais – und Disney, in Europa bislang wenig bekannt: Steven Millhauser ist ein großartiger Stilist und der vollkommene Meister im Reich der literarischen Phantasie.































